Der perfekte Charakter: Ein HowTo

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Serra Tiphereth#
Laubsammler im Düsterwald
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Der perfekte Charakter: Ein HowTo

Beitrag von Serra Tiphereth# » 24. Februar 2008, 16:08

Bild
Beispiel eines Charakterporträts aus deviantArt

Bei jedem RPG stellt sich unweigerlich die Frage nach dem eigenen Charakter, den man spielen will. Ich persönlich finde es schwierig, sich einen Charakter zu überlegen, mit dem man auch nach langer Zeit noch Lust hat zu spielen. Schwierig ist es auch, sich alles zu seinem Alter Ego zu überlegen, so dass man nie in Erklärungsschwierigkeiten kommt. Ich bin mit meinen Schöpfungen auch schon an Grenzen gestossen, in denen ich mir selbst vorhalten musste, dass ich mir gewisse Dinge zu meinem Charakter eigentlich gar nie wirklich überlegt hatte. Ich gerate dann schnell in Erklärungsschwierigkeiten und poste schnell etwas, das mir im Nachhinein gar nicht gefällt. Mein Charakter war zu wenig durchdacht, vielleicht nur in dieser Hinsicht, aber vielleicht hab ich ihn auch wirklich einfach nur "hingeklatscht" um möglichst schnell zu spielen.
Wie auch immer, es bleibt dabei: Es ist nicht einfach, einen glaubwürdigen, konsequenten und spannenden Charakter zu erstellen.
Ich habe ein wenig gesucht und bin dabei auf eine (englische) Sammlung aus 100 Fragen gestossen, die eigentlich fast alles abdeckt, was ich mir unter einem Charakter-Profil vorstelle. Ich habe mir die Mühe gemacht und diesen Fragebogen auf Deutsch übersetzt, um Neueinsteigern etwas unter die Arme zu greifen und alten Hasen den ein oder anderen Tip zu geben. Nach Beantwortung aller Fragen hat man ein sehr gutes Bild von seinem Char, und man kann sich in fast jeder Spielsituation rechtfertigen und seinem Charakter entsprechend reagieren. Natürlich sollte man spontan bleiben und sich nicht jedes hinterletzte Detail im Vornherein überlegen. Aber ein RPG-Spieler sollte sich bewusst sein, dass es mehr gibt um seinen Charakter als seine Bewaffnung und sein Motiv. Mir hat es sehr geholfen und ich hoffe, euch hilft es ebenso!
PS: Die Fragen sind ursprünglich für ein Pen&Paper-Rollenspiel entworfen worden, daher also teilweise wirklich seehr genau. Man muss natürlich nicht alle Fragen exakt beantworten; Dies ist keine Vorschrift, sondern eine Anregung. Und natürlich sollte man bei seiner Charakter-Beschreibung in den RPGs nicht einfach die Antworten hierzu posten - Es soll mehr eine Starthilfe sein. Überfliegt zuerst doch mal alles, vielleicht bringt euch die eine oder andere Frage dazu, euch etwas Spezielles für euren Charakter einfallen zu lassen!
Lest bitte auch unbedingt die Antwort von Peter (Pietro) zwei Posts weiter! Seine Interpretation ist noch fast besser und vor allem für Anfänger sehr hilfreich. Diese 100 Fragen hier sind mehr zur Auffüllung gedacht, wenn euch nichts mehr einfällt, oder wenn ihr Inspiration braucht.
Teil 1: Grundlagen
1. Wie lautet dein voller Name?
2. Wo und wann wurdest du geboren?
3. Wer sind/waren deine Eltern? (Name, Beruf, Persönlichkeit, etc.)
4. Hast du Geschwister? Wie sind/waren sie?
5. Wo lebst du jetzt, und mit wem? Beschreibe den Ort und die Person/Leute.
6. Was ist dein Beruf?
7. Erstelle eine komplette physische Beschreibung von dir. Mögliche Kriterien: Grösse, Gewicht, Rasse, Haar- und Augenfarbe, Kleidungsstil, Tattoos und Narben, Merkmale, ...
8. Zu welcher Gesellschaftsschicht gehörst du?
9. Hast du irgendwelche Allergien, Krankheiten oder andere physische Schwächen?
10. Bist du Rechts- oder Linkshänder?
11. Wie hört sich deine Stimme an?
12. Welche Worte und/oder Ausdrücke verwendest du sehr häufig?
13. Was befindet sich in deinen Taschen?
14. Hast du irgendwelche Eigenheiten, spezielles Verhalten, nervige Angewohnheiten oder andere definierende Eigenschaften?
Part 2: Erwachsenwerden
15. Wie würdest du deine Kindheit beschreiben?
16. Was ist deine erste Erinnerung?
17. Was für eine schulische Bildung besitzst du?
18. Hat dir die Schule Spass gemacht?
19. Wo hast du die meisten deiner Fähigkeiten und anderen Fertigkeiten erlernt?
20. Hattest du in deiner Jugend Vorbilder? Wenn ja, beschreibe sie.
21. Wie bist du in deiner Jugend mit deinen Familienmitgliedern ausgekommen?
22. Was wolltest du als Kind später sein?
23. Was waren als Kind deine Lieblingstätigkeiten?
24. Was hast du als Kind für eine Persönlichkeit gezeigt?
25. Warst du als Kind beliebt? Wer waren deine Freunde, und wie waren sie?
26. Wann und mit wem war dein erster Kuss?
27. Bist du Jungfrau? Wenn nicht, wann und mit wem hast du deine Jungfräulichkeit verloren?
28. Wenn du ein übernatürliches Wesen bist (zB. Magier, Werwolf, Vampir, ...), erzähle die Geschichte, wie du dazu geworden bist oder wie du von diesen Fähigkeiten erfahren hast. Wenn du ein "normales" Wesen bist, erzähle von den Ereignissen in deiner Vergangenheit, die dazu geführt haben, dass du heute so geworden bist.
Part 3: Einflüsse der Vergangenheit
29. Welches Ereignis ist bis jetzt für dich das wichtigste in deinem Leben?
30. Wer hatte den grössten Einfluss auf dich?
31. Was betrachtest du als deine grösste Errungenschaft?
32. Was bedauerst du am meisten?
33. Was ist die böseste Tat, die du jemals begangen hast?
34. Hast du eine Art Strafregistereintrag?
35. Wann hattest du am meisten Angst?
36. Was war der peinlichste Moment in deinem Leben?
37. Wenn du eine Sache aus deiner Vergangenheit ändern könntest, was wäre es, und warum?
38. Was ist deine schönste Erinnerung?
39. Was ist deine schlechteste Erinnerung?
Part 4: Glauben und Ansichten
40. Bist du grundsätzlich optimistisch oder pessimistisch?
41. Was ist deine grösste Angst?
42. Was sind deine religiösen Ansichten?
43. Was sind deine politischen Ansichten?
44. Was sind deine sexuellen Ansichten?
45. Bist du imstande zu töten? Unter welchen Umständen findest du es akzeptabel / inakzeptabel, Leben zu nehmen?
46. Was ist deiner Meinung nach die allerschlimmste Tat, die ein Mensch jemals begehen kann?
47. Glaubst du an Seelenverwandschaft und/oder wahre Liebe?
48. Was gehört für dich zu einem erfolgreichen Leben?
49. Wie ehrlich bist du mit deinen Gedanken und Gefühlen (zB. Versteckst du dein wahres Ich vor Anderen, und in welcher Weise)?
50. Hast du irgendwelche Vorurteile?
51. Gibt es Dinge, die du absolut niemals tun würdest, unter keinen Umständen? Wieso würdest du diese Dinge nicht tun?
52. Für wen oder was, wenn überhaupt, würdest du sterben (oder andere extreme Dinge dafür tun)?
Part 5: Beziehungen
53. Wie behandelst du andere Leute im Allgemeinen (höflich, grob, auf Distanz haltend, etc.)? Ändert sich dieser Umgang abhängig davon, wie gut du die Person kennst?
54. Wer ist die wichtigste Person in deinem Leben, und warum?
55. Welcher Person bringst du am meisten Respekt entgegen, und warum?
56. Wer sind deine Freunde? Hast du einen besten Freund/beste Freundin? Beschreibe diese Leute.
57. Hast du einen Lebenspartner? Wenn ja, beschreibe diese Person.
58. Warst du jemals verliebt? Wenn ja, beschreibe was passiert ist.
59. Was macht einen idealen Lebenspartner für dich aus?
60. Wie nahe stehst du deiner Familie?
61. Hast du eine eigene Familie gegründet? Wenn ja, beschreibe sie. Wenn nicht, möchtest du dies einmal tun? Warum bzw. warum nicht?
62. An wen würdest du dich in der Not wenden?
63. Vertraust du jemandem, der dich beschützt? Wem, und warum?
64. Wenn du sterben oder verschollen gehen würdest, wer würde dich vermissen?
65. Welche Person verabscheust du am meisten, und warum?
66. Streitest du eher oder vermeidest du den Konflikt?
67. Übernimmst du eher eine Führungsrolle oder folgst du lieber einer solchen Person?
68. Magst du den Umgang mit grossen Menschengruppen? Warum oder warum nicht?
69. Interessiert es dich, was andere über dich denken?
Part 6: Vorlieben und Abneigungen
70. Was sind deine Hobbies und Zeitvertreibe?
71. Was ist (für dich) dein kostbarster Besitz?
72. Welche ist deine Lieblingsfarbe?
73. Was ist dein Lieblingsessen?
74. Was, wenn überhaupt, liest du am liebsten?
75. Was stellst du dir unter guter Unterhaltung vor (zB. Musik, Filme, Kunst, etc.)?
76. Rauchst du, trinkst du und/oder konsumierst du andere Rauschmittel? Wenn ja, warum? Möchtest du aufhören?
77. Wie verbringst du eine typische Samstagnacht?
78. Was bringt dich zum Lachen?
79. Was schockiert oder verletzt dich sehr?
80. Was würdest du tun, wenn du unter Schlaflosigkeit littest und etwas finden müsstest, um dich zu unterhalten?
81. Wie gehst du mit Stress um?
82. Bist du spontan, oder brauchst du immer einen Plan?
83. Was bringt dich auf die Palme?
Part 7: Selbstbild und Diverses
84. Beschreibe einen gewöhnlichen Tag in deinem Leben. Wie fühlst du dich, wenn diese Routine durchbrochen wird?
85. Was ist deine grösste Stärke als Person?
86. Was ist deine grösste Schwäche?
87. Wenn du etwas an dir ändern könntest, was wäre es?
88. Bist du eher introvertiert oder extrovertiert?
89. Bist du eher organisiert oder unordentlich?
90. Benenne drei Dinge, in denen du dich als sehr gut bezeichnen würdest, und drei Dinge, in denen du dich als sehr schlecht bezeichnen würdest.
91. Kannst du dich selbst leiden?
92. Was sind deine Gründe, ein Abenteurer zu sein (oder all diese befremdlichen und heroischen Taten zu begehen, die ein RPG-Charakter halt so begeht)? Sind deine echten Gründe für dein Tun andere als diejenigen, die du den Leuten erzählst? (Wenn ja, beschreibe beide Gründe...)
93. Welches Ziel möchtest du in deinem Leben erreichen?
94. Wo siehst du dich in 5 Jahren?
95. Wenn du es auswählen könntest, wie würdest du sterben wollen?
96. Wenn du wüsstest, dass du in 24 Stunden sterben würdest: Benenne drei Dinge, die du in der verbliebenen Zeit tun würdest.
97. Für was würde man sich nach deinem Tod an dich erinnern?
98. Welche drei Worte beschreiben deine Persönlichkeit am besten?
99. Welche drei Worte würden andere Leute wahrscheinlich gebrauchen, um dich zu beschreiben?
100. Wenn du könntest, welchen Rat würdest du als Spieler deinem Charakter geben? (Du kannst auch so schreiben, als würde er oder sie dir gerade gegenübersitzen und einen angebrachten Tonfall anschlagen)

Vielen Dank an Gamer Chick für das Erstellen dieses Fragebogens. Fragen, Kritik und bessere Übersetzungen sind willkommen. Bei Bedarf und guten Rückmeldungen darf man den Thread auch gerne anpinnen ;)

-Xanxiv*//.Barkin#
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Der perfekte Charakter: Ein HowTo

Beitrag von -Xanxiv*//.Barkin# » 24. Februar 2008, 19:26

Boah, Serra...
..super Arbeit o.O
Da fehlt eindeutig das Sticky.
I) Damit bastel ich mir sofort nen neuen Chara.
Klasse Arbeit.


Druide#
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Der perfekte Charakter: Ein HowTo

Beitrag von Druide# » 4. März 2008, 13:30

@ Serra
Ich persönlich halte die oben abgedruckte Anleitung, wie man einen Charakter erschafft, nicht nur für ungeeignet, sondern sogar für Anfänger spielstörend und gefährlich.
Warum?
Im Vordergrund eines Rollenspiels steht der Spielspaß. Mit dieser Liste aber wird das gleich zu Beginn auf Null abgebremst, denn wenn ich wirklich einen so durchdachten Charakter erschaffen wollte, so müsste ich im Grunde das komplette Leben eines Menschen geistig durchspielen und zwar auch konsequent und in allen genannten Details. Selbst alte Rollenspielhasen sind dazu nicht in dieser Tiefe in der Lage. Wie lange bastle ich dann an einem solchen Charakter? Vermutlich weitaus länger, als die meisten Spiele hier im Elbenwald zum Beispiel überhaupt Bestand haben. Schaut man mal die Todeslisten an, so wimmeln sie von Spielleichen, die keine 50 oder gar 100 Seiten geschafft haben. Aber die Charaktere darin sind teilweise elaboriert bis ins Detail. Scheinbar hat das aber noch kein gutes Spiel ausgemacht.
Ein weiterer wichtiger Punkt gegen eine solche Liste liegt in der variablen Gestaltung von Spielszenen. Lege ich meinen Charakter schon von vornherein auf alle möglichen Reaktionen fest, so kann ich kaum noch 'wachsen'. Der Charakter entwickelt sich nicht mehr im Verlaufe eines Spieles. Alles ist ja schon bekannt und vorgegeben. Mal abgesehen davon, dass es keinen Spaß macht, so jemanden zu spielen --- es ist auch kaum möglich einen Charakter in dieser Tiefe stets mit allen Details im Hinterkopf zu haben. Man wird unweigerlich Rollenfehler begehen.
Ich möchte hier einen kurzen Gegenentwurf einstellen, der meiner Erfahrung nach vor allem für Anfänger bedeutend geeigneter ist. Sie ist keine Anleitung én detail, sondern stellt Fragen, die sich jeder gute Rollenspieler für einen Charakter stellen sollte.
1. Welche Figur passt in das Spiel?
Spiele ich den 20-sten (und damit sterbenslangweiligen) Elben, oder lieber einen Charakter, der etwas Neues in dieses Spiel einbringt. (Eine Gruppe aus lauter Elitekämpfern ist tödlich öde zu spielen! ;) ) Aber auch historisch und vom Spielkontext sollte mein Charakter passen. Da ist es immer gut, sich mit den anderen Spielern abzusprechen.
2. Kann ich mich selber mit dieser Figur identifizieren?
Niemand kann auf Dauer spielen, was er nicht selber auch zumindest in Ansätzen beherrscht und gut findet. Wer den obigen Elitekämpfer wählt, sollte zumindest eigenes Grundwissen zu Kampf und Taktik mitbringen. Ist das nicht der Fall, leidet auf Dauer die Authentizität des Spiels. Dabei gibt es Limits, an denen niemand vorbeikommt. So kann man unmöglich jemanden schlauer spielen, als man als Spieler selber ist. Andere Spieler merken schnell, was bei mir nur Schaumschlägerei ist. So etwas bringt unweigerlich Ärger ins Spiel.
3. Warum ist mein Charakter überhaupt dabei?
Ich nenne dies die Motivation. Ohne Motivation, in dieser Geschichte zu bestehen, wird mein gesamtes Spiel oberflächlich und ohne Geschichts-Bezug. Das beginnt bereits mit einem gelungenen Einstieg in ein Spiel. Warum bin ich da? Warum will ich mitmachen? Warum sollen das meine Freunde/Feinde sein? Die Beantwortung dieser Fragen wird zum großen Teil auch mein Spiel gestalten.
4. Was macht meinen Charakterhintergrund aus?
Dabei sind nicht die winzigen Details gefragt. Dinge wie Namen, Eltern, Geschwister, Kinder... so etwas kann man auch während eines Spiels entwickeln. Es ist eine herrliche 'Fingerübung' für trübe Rollenspielstunden, wenn das Spiel gerade dümpelt und man am Lagerfeuer Geschichten erzählt. Aber für den Anfang sollte eine kleine Geschichte meines Charakters in ganz groben Zügen angedacht sein. Wichtig vor allem die Grundeinstellungen zu den Sinnfragen des Lebens.
5. Was kann ich besonders gut?
Die Betonung liegt auf besonders! Zwei oder höchstens drei Fertigkeiten sollten das sein, keinesfalls mehr. Man muss nur daran denken, dass wir selber schließlich auch oft nur in einer, oder zwei Sachen wirklich richtig gut sind. (Auch drauf schauen, was andere schon besonders gut können! Aufdoppeln oder noch besser können ist nicht sonderlich schön für andere.)
6. Was sind meine Schwächen?
Die sollten mindestens so bedeutsam sein, wie meine Stärken. Erst die Ausgewogenheit von Stärken und Schwächen macht einen Charakter wirklich interessant. Kein Mitspieler mag auf Dauer zusammen mit einem Superhelden spielen, neben dem einfach jeder verblassen muss.
7. Was ist die Triebfeder in meinem Leben?
Sprich: wohin will ich in meinem Leben? Was ist der Sinn meines Lebens? Die Beantwortung dieser Frage für einen Charakter macht ein rollenspielgerechtes Verhalten erst wirklich möglich. Hierhin gehört auch die grundsätzliche Entscheidung über Gut oder Böse, Ordnung oder Chaos, Gemeinschaft oder Ego?!
8. Nichts geht über einen schönen Spleen!
Ich finde, jeder Charakter sollte so einen Spleen haben. Solche oft seltsamen Eigenheiten machen Charaktere menschlich und können – geschickt gespielt – für jede Menge Spaß sorgen. Das geht vom ewig grantelig-nörgligen Zwerg, der alles besser weiß und kann (und zur Freude seiner Mitspieler oft genug damit auf die Nase fällt) bis hin zum vergesslichen Magier, der in seiner Schusseligkeit häufig falsche Zutaten für seine Zaubereien mixt... ;) :lol: :))
9. Komplettierung
Wie heißt mein Charakter und wie sieht er aus? Was trägt er normalerweise an Kleidung und Ausrüstung. (Auch hier noch etwas Platz für schöne Einstiegsgeschichten lassen!) Für den Anfang empfiehlt sich immer der sogenannte 'Zaubersack' ! Ein Rucksack, aus dem man zum Erstaunen aller das jeweils gerade benötigte hervor'zaubert'. ;) Nach einer Weile Spiel aber sollte klar sein, was mein Charakter tatsächlich dabei hat. Dann sollte der Zauber beendet werden und ich wirklich rollenspielgerecht nur noch dabei haben, was auch bislang genannt war.
10. Die Kleinigkeiten machen's
Aber die müssen nicht schon zu Beginn feststehen. So nach und nach während eines guten Spiels wird sich mein Charakter 'befüllen'. Er wird einen Knochenkamm besitzen (von einer ehemaligen Herzensdame mühsam von Hand gesägt, dann aber im Zorn an den Kopf geworfen und dabei zweier Zinken verlustig gegangen... usw.) Gespielt werde ich mich an diese Dinge erinnern und sie auch fortan spielen. Von Anbeginn einfach nur 'zugeschrieben' werde ich selber ständig vergessen, dass ich so etwas habe und auch spielen sollte.
Zum Schluss: die Charakterbeschreibung
Fasse dich kurz! Für sich selber kann man weit mehr zu einem Charakter schreiben, als für Mitspieler. Wenn man beginnt, seinen Charakter zu leben, wird man ihn immer mehr erweitern. Aber für Mitspieler ist es tödlich, das alles lesen, und ständig wissen zu sollen. Man sollte also seinen Mitspielern nur das wirklich notwendige über seinen Charakter mitteilen. Alles weitere werden sie spielerisch ohnehin herausfinden, wenn sie sich für dich interessieren. ;)
Stelle dir vor, dein Charakter kommt in eine Spelunke. Setze dich als Beobachter in eine Ecke und sieh dir dich selber an, wie du hereinkommst. Das, was du da siehst und aus Beobachtungen ableitest, ist das, was Mitspieler zu Beginn von dir wissen sollten.


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Serra Tiphereth#
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Der perfekte Charakter: Ein HowTo

Beitrag von Serra Tiphereth# » 4. März 2008, 14:54

ich komme nicht umhin, dir zuzustimmen. deine beschreibung ist aus meiner sicht aber eine abstraktion der fragen, die obenstehend genannt wurden, was eigentlich auch beabsichtigt ist. man soll ja nicht jeden zettel in der hose beschreiben, sondern sich vielmehr überlegen, was sein charakter dabei haben könnte , was passen würde. als beispiel.
deine umschreibung gefällt mir ehrlich gesagt viel besser. die fragensammlung soll nur ein paar inputs geben, um vielleicht ein paar dinge anzustossen, an die man vielleicht nie gedacht hätte. im grunde genommen wollte ich eigentlich dasselbe sagen ;)
ich persönlich finde es sehr interessant, mit einem charakter zu spielen, der sich nicht während des rpgs in widersprüche verstrickt, und dazu überlege ich mir recht viel. aber auf keinen fall will ich, dass jeder neuling den fragebogen genauestens ausfüllt.
Stelle dir vor, dein Charakter kommt in eine Spelunke. Setze dich als Beobachter in eine Ecke und sieh dir dich selber an, wie du hereinkommst. Das, was du da siehst und aus Beobachtungen ableitest, ist das, was Mitspieler zu Beginn von dir wissen sollten.

das finde ich übrigens klasse ;)


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Der perfekte Charakter: Ein HowTo

Beitrag von Druide# » 26. März 2009, 14:59

Ich hoffe, das passt hier und ihr habt Humor... ansonsten editiere ich. ;) :))
Wie man ein Rollenspiel sabotiert
oder:
Eine (nicht ganz) ernstgemeinte Anleitung, Mitspieler in den Wahnsinn zu treiben

Es gibt Rollenspieler (und –innen), die sehr viel Mühe und Zeit darauf verwenden, ein möglichst stimmiges, sinnvolles, spielerisch dichtes Rollenspiel aufzuziehen. Anleitungen, wie man sich in solche Rollenspiele gut einbringt, gibt es zuhauf. Aber was ist mit der großen Zahl von Schreiberinnen und Schreibern, die damit so rein gar nichts anfangen können? Man lässt sie im Regen stehen, drängt sie aus Rollenspielen heraus, oder mobbt sie gar.
Ihnen ist diese kurze Anleitung gewidmet!
1. Die Wahl des Namens
Wähle niemals einen simplen Namen, der lediglich durch Standardtasten und Hochstelltaste zu schreiben ist. Wer andere in die Verzweiflung treiben will, benötigt einen Namen mit möglichst viel Sonderzeichen, die nur durch Tastenkombination zu erzielen sind. Dazu noch ein paar Akzente richtig gesetzt, und nicht vergessen: Fremdsprache mit Fehlern einbauen (damit sich die, welche es richtig können, jedesmal beim Lesen und Schreiben ärgern müssen) – fertig ist der Name.
Beispiel:
Numator = falsch
~nÛ-Màtõr~ Prinze ov Pursia = goldrichtig
2. Die Charakterbeschreibung
Stelle sicher, dass die Charakterbeschreibung aus einem völlig anderen Umfeld als jenem im Spiel kommt. Einen Zwerg aus den Eisenbergen in einem Zwergenspiel in Mittelerde zu spielen ist tödlich langweilig. Da mischt ein Vampirelb aus Tasmagorien die ganze Sache doch viel besser auf.
Vergewissere dich, dass du dich mit Ausrüstung ausstattest, die keinesfalls in die Umgebung gehört. So sind Massenvernichtungswaffen und Komplett-Reaktivpanzerungen für mittelalterliche Rollenspiele ein absolutes Muss! In diesem Sinne zählen auch absolut übermächtige Zauberfähigkeiten zur Ausrüstung. Keinesfalls solltest du Zauberfähigkeiten restriktiv handhaben.
Mache etwas Ungewöhnliches aus deinem sozialen Status! Deine Kindheit muss grauenvoll, deine Jugend fürchterlich gewesen sein. Deine Eltern müssen bestialisch umgekommen sein (erfahrene Spieler/innen haben mit ihrem eigenen Charakter dafür gesorgt!), deine Geschwister versklavt und dein Hund mit Katzenfutter gefüttert worden sein. Dies ist notwendig, um später jeden nur erdenklichen Ausraster mit dem sozialen Hintergrund entschuldigen zu können. Man kann dir ja nicht wirklich böse sein...
Vergewissere dich, dir mindestens ein oder zwei Tiere als Begleiter zuzuschreiben. Spiele diese so gut wie nie, aber halte sie immer in der Hinterhand parat. Wenn du sie spielst, dann vermenschliche sie möglichst großzügig. Mentale Bande oder intuitives Verstehen sind eine Mindesforderung. Denke daran, dass die Tiere dem Herrchen stets sklavisch folgen, egal wie sehr sie ansonsten missachtet oder falsch behandelt werden. Kümmere dich nie um diese Tiere, indem du sie fütterst oder tränkst. Schließlich sind es ja nur Tiere.
3. Dein erster Auftritt
Kurz gesagt: Hoppla, hier komm' ich!
Das muss die Devise sein, nach der du einsteigst. Denke immer daran: alle haben nur auf dich gewartet. Sie sollen das jetzt auch in Form von Dankbarkeit zeigen.
Dazu gehört, dass du keinesfalls die ersten Posts der Info und niemals die letzten Posts des Spieles lesen solltest. Vielmehr frage laut nach einer ZF (Zusammenfassung) und motze, wenn diese nicht schnell und umfassend genug kommt. Kommt sie aber und ist zu lang, so verweigere das Studium, warte drei Tage und frage dann erneut nach einer besseren ZF.
Hinterfrage alle Regeln möglichst kritisch und zeige deinen Unmut darüber, wenn du mit einer Regel nicht ganz einverstanden bist. Kritisiere solche Regeln deutlich als 'doof', 'unnötig', 'nicht durchdacht'. Profis haben vorgefertigte Kommentare an der Hand, in welchen sie aufzeigen, dass es in anderen Spielen viel besser war, die sie aber verlassen haben, weil die anderen nichts konnten. Zeige deutlich, dass du über den Dingen stehst, indem du die magische Formulierung 'naja' am Ende einer Kritik verwendest. Sie ist Anklage und entwaffnender Großmut in einem.
4. Dein Eintritt ins Spiel
Warte nicht, bis sich eine passende Gelegenheit ergibt, deinen Charakter reibungslos einzubringen.
Gute Gelegenheiten sind laufende Gespräche, in welche man hineinplatzt, oder ein Erscheinen aus dem Nichts. Versuche auch nicht, dir Gedanken über das warum zu machen. Du willst schlicht Abenteuer, also schließt du dich grundsätzlich immer sofort jeder dahergelaufenen Truppe von Dummköpfen an. Wozu bräuchte es weitere Gründe?
Den Profi erkennt man daran, dass sie/er den Charakter ein liebevoll aufgezogenes Abenteuer mit wenigen Schwertstreichen seines unübertrefflichen Elbenstahls und innerhalb eines Posts zu einem abrupten Ende bringen lässt. Zeige sofort deutlich, wie überlegen in allem du allen Mit-Charakteren bist. Du musst unbedingt stärker, schöner, schlauer, schneller, besser und überhaupt als alle anderen sein.
Gespielte Probleme der Gemeinschaft löse stets sofort und ohne Zögern mit deinem Spielerwissen. Trenne auch keinesfalls zwischen Spieler- und Charakterwissen, das verwirrt nur! (Vor allem dich, aber das ist ja wohl auch das entscheidende Kriterium, oder?)
5. Stimmung machen und das Spiel an sich
Scheue dich nicht, vom ersten Tag an Stimmung zu machen. Wichtig sind da vor allem ständige Anmahnungen, dass man übersehen hat, dass sich dein Charakter gerade einen Fingernagel gebrochen hat, oder nicht alle Gespräche sofort verstummen und auf ihn umschwenken, wenn er in die Nähe kommt.
Wenn zwei miteinander flüstern, verstehe auch du immer jedes Wort, selbst durch dicke Mauern hindurch.
Sucht jemand die Einsamkeit, folge ihm.
Macht jemand etwas heimlich, so musst du das unbedingt gesehen haben.
Erzähle auch immer gleich allen anderen davon.
Beschleicht dich jemand, lass' einen Ast knacken. (s. o.: Spielerwissen – Charakterwissen)
Belauscht dich jemand, weißt du das natürlich und änderst dein Gesprächsthema sofort.
Denkt jemand, erkenne die Inhalte des Denkens in seinen Augen.
Schreibe anderen möglichst oft Gefühle und Gedanken zu, von denen du denkst, dass sie sie vermutlich denken würden, wenn sie so dächten, wie du denkst, dass sie denken.
Beschwere dich, wenn jemand einen Post setzt, in welchem du nicht vorkommst.
Beschwere dich, wenn jemand einen Post setzt, in welchem du vorkommst, weil du das eigentlich für deinen Charakter ganz anders gewollt hättest.
Schreibe viele PMs mit gegenlautenden Inhalten an unterschiedliche Parteien.
Mache dich zum Mittelpunkt aller ein- und ausgehenden PMs.
Mache geschickte Andeutungen, dass A etwas über B gesagt habe, aber dann ziehe dich zurück, lies nur mit und genieße.
Sei jedermanns bester Freund – aber immer schön im Wechsel.
Binde andere Charaktere so fest an dich, dass sie ohne dich nicht mehr handeln können.
Wenn du das geschafft hast, bleibe ohne Erklärung einfach mal eine Woche weg. Wie froh werden sie sein, wenn du dann wiederkommst.
Bist du dann wieder da, lies keinesfalls nach, sondern frage nach einer ZF.
Denke daran, die besonderen Fähigkeiten anderer Charaktere zu missachten. Grundsätzlich kannst du alles selber immer besser.
Du hast immer Geld, Essen und gekühlte Getränke am Mann. Notlagen beende mit einer plötzlichen Erbschaft, einem Zwergenhortfund, platzenden artesischen Quellen und Hirschen, die sich dir in den Pfeil werfen.
6. Schlussendlich – die goldenen Regeln
Denke immer an dich, deinen Charakter und dein Vergnügen. Wenn du deinen Spaß hast, werden ihn andere ja sicher wohl auch haben, oder?
Rücksicht ist das A und O! Verlange stete Rücksichtnahme auf deine persönlichen Belange.
Scheue dich nie, völligen Mist zu schreiben. Bei unberechtigter Kritik daran verweise auf deine schlimme Kindheit, deine augenblickliche private Situation, deinen Zeitmangel und ansonsten sollen alle gefälligst froh sein, dass du überhaupt schreibst.
Editieren ist nur was für Leute ohne Rückgrat! Weigere dich, zu editieren, verlange das lieber von allen anderen.
Schlusswort
So, das waren jetzt viele Worte. Nun aber frisch ans Werk und in die Tat umgesetzt. Also, such dir eilig ein RPG, von dessen Inhalten du keinerlei Ahnung hast und melde dich an.
Viel Spaß! :) :x:


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Re: Der perfekte Charakter: Ein HowTo

Beitrag von Xardas » 8. Februar 2017, 16:24

Wie man ein Rollenspiel sabotiert
oder:
Eine (nicht ganz) ernstgemeinte Anleitung, Mitspieler in den Wahnsinn zu treiben
Haha so Spieler kenne ich nur zu gut, das ganze ist dabei aber ganz Intuitiv, die Anleitung brauchen die meisten dazu garnicht:D

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